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Ein feministischer Blick auf den Prüfungsbericht zur Bildungskarenz

Aktualisiert: 29. Juni 2023

„Die Zahl derer, die Bildungskarenz in Anspruch nehmen bzw. genommen haben, hat sich seit dem Jahr 2010 verdoppelt. Im Jahr 2021 waren drei Viertel der Personen in Bildungskarenz Frauen. Die Verbesserung der Qualifikation spiegelt sich nicht im Gehalt der Bildungskarenz-Bezieher*innen wider. Bildungskarenz wird in Österreich fast nur genutzt, um eine Auszeit vom Job zu haben oder die Baby“pause“ zu verlängern.“


Diese und andere Fakten, die der Rechnungshof nach Prüfen des Bildungskarenzmodells vorlegt, geistern seit gestern in den Medien herum. Diese Zahlen wundern uns nicht. Wir wundern uns auch schon fast gar nicht mehr, wie einseitig zu diesem Thema berichtet wird. Wir ärgern uns aber sehr!


Die Sichtweise, die hier – leider wieder einmal – völlig ausgeklammert wird, ist die der Frauen* und der Familien! Denn alle eingangs erwähnten Fakten lassen sich sehr leicht begründen, wenn man die Gesellschaft als Ganzes in den Fokus nimmt:


Warum vorrangig Frauen* in Bildungskarenz sind und die Hälfte davon diese als Verlängerung der Elternkarenz nutzt?


… weil noch immer fast ausschließlich Frauen* in Elternkarenz sind,

… weil die Kinderbetreuungsmöglichkeiten (auch in Wien, noch mehr aber in den ländlichen Gebieten) noch immer nicht ausreichend sind und last but not least

… weil auch im Jahr 2023 noch immer Frauen* durch die Faktoren Geburt und/oder Karenz ihre Arbeitsstelle bzw. ihren Posten verlieren!


Warum sich die Verbesserung der Qualifikation nicht in den Gehältern widerspiegelt?


… weil die meisten Personen – vor allem aber Frauen* – nach einer Elternkarenz in Teilzeitmodellen arbeiten.


Die Liste ließe sich noch länger fortsetzen. Aber auch Fragen, wie zum Beispiel warum eher gut qualifizierte Personen Bildungskarenz in Anspruch nehmen und nicht – wie von der Politik gewünscht – schlecht qualifizierte, müsste sich der Rechnungshof selbst beantworten können. Wir helfen aber auch hier gerne auf die Sprünge: Ein Jahr, in dem man nur 55% des Letztbezuges bekommt, muss man sich leisten können.


Wir können nicht anders, als uns NICHT ZU WUNDERN, warum diese Regierung die Familien ins Blickfeld nimmt und nicht die Hotellerie oder andere Konzerne, die während der Pandemie Milliarden-Hilfen vom Staat erhalten haben.


Wir fordern von Politik und Medien daher etwas eigentlich Grundlegendes:

  • Berichterstattung darf nicht einseitig sein!

  • Die Gesellschaft muss als Ganzes ins Blickfeld genommen werden, damit die Lebensrealität von Frauen* auch im Jahr 2023 nicht mehr hinter der der Männer* hintanstehen muss!


Autorinnen:

Ulli Fritzl-Parz, Sarah Tömböl, Margit Haag, Anna Maria Honeder


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