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Weibliche Wut

  • 3Std.
  • 3 Min. Lesezeit

verfasst von Julia Röder und Claudia Angel


Wir wetten mit dir, dass du in deinem Leben bisher mindestens einmal einen der

folgenden Begriffe (und noch andere) für dich gehört hast: Furie, Zicke, Besen,

Drache, Hexe, Giftnudel, Kratzbürste. Wut bei Frauen wird oft verurteilt, weil sie

Erwartungen bricht – nicht, weil sie unangebracht ist. Im Gegenteil: sie kommt aus

gutem Grund und wir sind froh, dass es sie gibt. Ist sie es doch, die in uns aufschreit,

wenn ein Bedürfnis ignoriert, Autonomie bedroht, ein Wert oder eine Grenze verletzt,

Vertrauen gebrochen oder ungerecht gehandelt wird.


Wut wird oft als starke, direkte Emotion beschrieben – tatsächlich ist sie jedoch

häufig eine sekundäre Emotion. Das bedeutet, dass sie nicht das ursprüngliche

Gefühl ist, sondern als Reaktion auf andere, unangenehmere, meist tieferliegende

Emotionen entsteht. Hinter Wut verbergen sich oft Gefühle wie Scham, Angst,

Schmerz, Überforderung oder Traurigkeit. Diese primären Emotionen sind meist

verletzlicher und schwerer auszuhalten. Wut hingegen macht uns handlungsfähig,

gibt Energie und das Gefühl von Kontrolle zurück. Sie wirkt daher oft „lauter“ und ist

leichter zugänglich als das, was darunter liegt.


Wut ist bei allen Menschen gleich wichtig – wie sie gelebt wird, ist jedoch stark sozial

und kulturell beeinflusst. Frauen und Männer zeigen Wut meist unterschiedlich,

wobei das weniger mit biologischen Unterschieden zu tun hat als mit sozialer

Prägung oder gesellschaftlichen Erwartungen. Männer leben Wut oft direkter und

nach außen (laut werden, konfrontativ sein) und sie kann schneller in Aggression

übergehen. Frauen richten Wut häufiger nach innen und zeigen sie indirekter mit

Tränen, Frustration oder passiv-aggressivem Verhalten wie Rückzug, Selbstkritik,

Grübeln, selbstverletzendem Verhalten oder erhöhtem Suchtpotenzial.


Wut verschwindet dabei nur leider nicht – sie verändert lediglich ihre Richtung.

Aktiviert werden dabei u. a. limbische Strukturen wie die Amygdala sowie

stressregulierende Systeme, insbesondere die Hypothalamus-Hypophysen-

Nebennierenrinden-Achse. So steigen beispielsweise die Herzfrequenz und der

Muskeltonus an, der Körper bleibt in einem hormonellen Stressmodus mit erhöhter

Cortisolproduktion. Mit welchen Folgen? Bleiben Wut und ihre „darunter“ liegenden

Emotionen unterdrückt, geht das mit einer erhöhten physiologischen Belastung

einher, was zu Erschöpfung, Schlafproblemen, depressiven Symptomen und auch

einer Dysbalance von Stress‑ und Sexualhormonen und psychosomatischen

Beschwerden führen kann. Aus psychophysiologischer Sicht ist es daher klar

gesundheitsförderlich, Wut früh wahrzunehmen und Wege zu finden, mit ihr in

Kontakt zu treten, sie zu würdigen und herauszulassen, anstatt sie zu unterdrücken

oder unkontrolliert zu entladen.


Wut im Bauch muss und soll kein bleibender Zustand sein. Um ihr Luft zu machen,

kann schon ein erster Mini-Check-in im Alltag helfen: Suche dir einen Platz, an dem

du dich wohlfühlst und frage in dich hinein: Wofür steht deine Wut? Was zeigt sie dir

auf? (Grenze überschritten? Fehlende Wertschätzung? Überlastung? Machtlosigkeit?...)

Wenn du gerne schreibst, dann gehe der Wut auch gerne schreibend nach. Allein

diese bewusste Wahrnehmung aktiviert regulierende präfrontale Hirnareale.


Wut ist eine körperlich aktivierende Emotion. Bereits ein kurzes in-Bewegung-

Kommen wie z.B. Gehen, bewusstes Anspannen und Loslassen der Muskulatur,

Schwingen deiner Arme mit verlängertem Ausatmen, trägt daher bei, die

Stressaktivierung abzubauen. Tanzt du gerne? Wenn ja, dann könnte es dein

perfektes Ventil sein, um Wut aus dir herauszulassen. Ebenso über deine Stimme.

Vielleicht sind kräftige Schreie genau deins oder mehr das Tönen bzw. Singen. Du

kannst dich dazu auf den Boden legen und erste Töne aus dir herauspurzeln lassen.

Vielleicht entsteht eine sich wiederholende Melodie oder es sind kunterbunte Töne in

der Lautstärke und dem Rhythmus, die du ihnen in dem Moment gibst.


Wut, du unser innerer Kompass. Du weist uns drauf hin, wo etwas zu viel, zu wenig,

zu eng oder nicht stimmig ist. Und du gibst uns Kraf. Allein und im Kollektiv. Lass uns

mit dir in Kontakt kommen. Yes!

 
 

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