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Sport nach der Schwangerschaft

Aktualisiert: 10. Okt. 2022

Bericht eines Selbstversuchs


Manche Leute machen gerne Sport, andere schauen gerne Sport. Ich gehöre zu ersteren. Ich LIEBE Sport und Bewegung! Und wenn ich mich einmal fĂŒr ein, zwei Tage nicht so bewegen kann, wie ich das möchte, werde ich unruhig. Trotzdem fiel es mir in der Schwangerschaft gar nicht so leicht, am regelmĂ€ĂŸigen Sporttreiben dranzubleiben. Das hatte vor allem zwei GrĂŒnde: Zum einen hatte ich zu Beginn stark mit der Übelkeit zu kĂ€mpfen und verbrachte mehrere Wochen zwischen Couch, Bett und Badezimmer. Zum anderen musste ich mein Sportprogramm zuerst einmal ordentlich umstellen und neue Bewegungsroutinen in meinen Alltag integrieren. Dazu muss man sagen, dass ich Sportarten bevorzuge, die aufgrund der Belastung oder des Verletzungsrisikos nun wirklich nicht fĂŒr Schwangere geeignet sind, wie etwa Klettern, Kunstturnen oder Beachvolleyball. Verzicht auf bestimmte Bewegungsformen war also angesagt – leichter gesagt, als getan. Zum GlĂŒck gibt es aber genĂŒgend Sportarten, die man auch als Schwangere noch ausfĂŒhren kann und so kompensierte ich meinen Verzicht vor allem durch Schwimmen und Radfahren. WĂ€hrend ich also im Hochsommer als Hochschwangere auf dem Fahrrad meine Runden und meine Bahnen durch die Alte Donau zog, trĂ€umte ich von meinem baldigen Sportcomeback nach der Geburt. Letztendlich sollte – wie so oft im Leben – aber alles (etwas) anders kommen.



Wochenbett – wochenlang im Bett


Mein Wochenbett fand vom ersten Tag an zuhause statt und bereits am dritten Tag fiel mir die Decke auf den Kopf (oder war es der Babyblues
?). Am vierten Tag hatte ich einen Lagerkoller und am fĂŒnften Tag MUSSTE ich zumindest fĂŒr zehn Minuten spazieren gehen. Am Abend des fĂŒnften Tages war ich heilfroh, noch die nĂ€chsten sechs Wochen mit gutem Gewissen zuhause bleiben zu können und „nichts“ tun zu mĂŒssen. (In Wahrheit ist das Stillen ohnehin mehr als ein Fulltimejob und Mama kann froh sein, wenn sie Duschen und ZĂ€hneputzen zwischen den ersten Clusterphasen ĂŒberhaupt an einem Tag schafft.)

Ja, ich bin ein schwerer Fall von Bewegungsdrang und „keine Ruhe geben können“ und so musste ich meine erste Lektion auf die harte Tour lernen. Nach diesem ersten Ausflug mit unserem Nachwuchs, der nicht lĂ€nger als eine Viertelstunde gedauert hat, wurde mir klar, dass das Ankommen im neuen Leben, das Einleben mit dem Baby und der RĂŒckbildungsprozess im Wochenbett oberste PrioritĂ€t haben, wenn man dem Kind und sich selbst nicht zu viel zumuten will. Dabei darf das Wochenbett keinesfalls als passive Zeit verstanden werden, in der man nichts tun kann. Denn (Lektion Nummer 2): Man darf das Glas auch ruhig halb voll sehen. WĂ€hrend ich also Windeln wechselte, schmutzige WĂ€sche wusch und mich vor meinem inneren Auge bereits fĂŒr die nĂ€chsten 18 Jahre stillend auf der Couch sitzen sah, wurde mir klar, dass ich alles andere als untĂ€tig war, sondern tatsĂ€chlich weitaus aktiver als in den letzten Wochen vor der Geburt. Und spĂ€testens mit Beginn der ersten Dauerstillphase hatte ich auch heraußen, wie sich ein erstes Sensibilisieren und Aktivieren des Beckenbodens bis hin zu einfachen Übungen in jedes „mit dem Baby auf der Couch kleben bleiben“ mit einbauen lassen.



Nachkontrolle beim Arzt: back to normal?


„Alles rĂŒckgebildet, Sie dĂŒrfen wieder alles machen und auch Sport treiben.“ Wer hat diesen Satz nicht gehört bei der Nachkontrolle bei der GynĂ€kologin oder dem GynĂ€kologen? Und wer hat trotzdem von der Hebamme, der Physiotherapeutin oder dem Physiotherapeuten den Rat bekommen, mit fĂŒr den Bauch und den Beckenboden belastendenden Sportarten lieber noch ein paar Monate zu warten?

Auch im Internet oder in Ratgebern findet man die unterschiedlichsten Informationen und so befand ich mich in der ZwickmĂŒhle, nicht zu wissen, woran ich mich nun halten sollte. Fakt war aber: Ich spĂŒrte, dass noch nicht alles so war, wie es sein sollte. Oder besser: dass noch nicht alles dort war, wo es sein sollte. Zum Beispiel die Bauchmuskeln. Diese bildeten nĂ€mlich ĂŒber und unter meinem Bauchnabel noch einen ordentlichen Spalt, die Rectusdiastase, und ließen sich nicht so anspannen, wie ich das wollte. Das ist zwar keine Pathologie (daher die Sportfreigabe), aber doch eine Dysfunktion (daher das Abraten der Hebamme).



RĂŒckbildung, aber richtig!


Ein RĂŒckbildungskurs musste her. Dort erfuhr ich, dass der grĂ¶ĂŸte Teil der RĂŒckbildung im Wochenbett geschieht und auch die Rectusdiastase in weiten Teilen von selbst heilt, wenn man sich an die Empfehlung hĂ€lt, sehr viel Zeit im Liegen zu verbringen und die ersten Wochen nach der Geburt ruhig anzugehen. Schmerzhaft wurde mir bewusst, dass ich Lektion 1 (Zu frĂŒh zu viel wollen) zwar vielleicht gelernt, aber nicht begriffen hatte. Zum GlĂŒck hatte ich Lektion 2 (Das Glas halbvoll sehen) besser verinnerlicht: Trotz nicht abgeschlossener RĂŒckbildung, sprich offenem Bauchspalt und noch nicht vollends belastbarem Beckenboden, gibt es eine ganze Reihe an Sportarten und Bewegungsformen, die Mama trotzdem ausfĂŒhren und dabei auch noch die RĂŒckbildung unterstĂŒtzen kann. Ich stĂŒrzte mich also ins mamaFIT-Training, ging schwimmen und radfahren und trainierte nahezu tĂ€glich zuhause meine seitlichen Bauchmuskeln, um der Rectusdiastase beim Heilen zu helfen. Bald schon stellten sich erste Erfolge ein: Der Bauchspalt wurde spĂŒrbar kĂŒrzer und schmĂ€ler, die Körpermitte zusehends kompakter und der Beckenboden fĂŒhlte sich auch immer stabiler an. Da könnte ich mich doch mit ein bisschen Bouldern belohnen, oder?

In der Kletterhalle angekommen wusste ich, dass ich mich zurĂŒckhalten und nur ganz leichte Routen machen wĂŒrde. Trotzdem freute ich mich auf meine erste Bouldersession nach ĂŒber einem Jahr. Doch die Freude verflog schnell: Es ging einfach nicht, es machte keinen Spaß. Die fehlende Körperspannung durch den Bauchspalt machte sich bei allen möglichen Bewegungen bemerkbar. Unnötig zu erwĂ€hnen, dass ich die RĂŒckstĂ€nde aus der RĂŒckbildung in den darauffolgenden Wochen auch noch beim Laufen, Wandern und Kunstturnen bemerkte. Ich musste also einsehen, dass ich wieder einmal zu frĂŒh zu viel gewollt hatte.



Alles fit im Schritt?


Es zahlt sich also aus, die Signale des eigenen Körpers ernst zu nehmen. SpĂ€testens bei der nĂ€chsten VerkĂŒhlung (oder allerspĂ€testens in der Menopause) wirst du froh sein, wenn du nach der Geburt regelmĂ€ĂŸig beckenbodenkrĂ€ftigende Übungen gemacht hast. Denn es ist nicht nur unangenehm, beim Lachen, Niesen, Husten eine gewisse Unsicherheit im Beckenboden zu verspĂŒren, sondern fĂŒhrt durchaus auch dazu, dass Mensch (vor Beckenbodenproblemen und möglicher Inkontinenz sind schließlich auch MĂ€nner nicht gefeit!) versucht, bestimmte Alltagssituationen, denen der Beckenboden nicht gewachsen ist, zu vermeiden. Und dabei sprechen wir nicht vom Trampolinspringen oder einem Marathonlauf. Welche psychische Belastung ein schwacher Beckenboden mit sich bringt, wird allzu offensichtlich, wenn man Aussagen hört, wie: „Heute weiß ich, wieso meine Mutter frĂŒher nie wollte, dass wir zuhause Witze erzĂ€hlen.“

Beckenbodengesundheit steht also auf gleicher Stufe wie Selbstbewusstsein und sexuelles Wohlbefinden. Dies macht klar, dass KrĂ€ftigungsĂŒbungen fĂŒr unseren sensibelsten Bereich Teil eines lebenslangen Prozesses sind. Denn die schlechte Nachricht ist: Auch ein gut rĂŒckgebildeter Beckenboden und eine geheilte Rectusdiastase können, wenn sie falsch belastet und/oder nicht regelmĂ€ĂŸig gekrĂ€ftigt werden, wieder an Kompaktheit verlieren bzw. aufgehen. Dazu kommt, dass die Muskelmasse und damit auch die Kraft im Alter kontinuierlich nachlassen und dies betrifft alle unsere Muskeln gleichermaßen.



Back to sport!


RegelmĂ€ĂŸige RĂŒckbildungsĂŒbungen und Geduld haben sich schließlich auch bei mir bezahlt gemacht. Nachdem die Rectusdiastase geheilt und der Beckenboden wieder kompakt(er) war, konnte ich nicht nur wieder die Körperspannung und Kraft aufbauen, die ich fĂŒr das AusĂŒben meines Sports brauchte, sondern ich konnte das Sporttreiben auch endlich wieder freudvoll genießen. Und so ganz nebenbei hatte ich durch die intensive Auseinandersetzung mit meinem Körper auch erstmals gelernt, auf eine physiologische AusfĂŒhrung meiner Bewegungen und eine gesunde Körperhaltung zu achten, um Verspannungen, Verletzungen und Dysbalancen vorzubeugen.

Nach zahlreichen Abs, aber zum GlĂŒck noch mehr Aufs kann ich nun wieder jede Sportart ausĂŒben, die ich möchte. Jede? Jein! Denn ab und zu muss auch ich mich bei der Nase nehmen und einsehen, dass die Tagesverfassung manchmal kein Lauftraining zulĂ€sst. Oder dass der Beckenboden in der zweiten HĂ€lfte des Zyklus weniger kompakt ist und sich in den Tagen vor der Periode schwĂ€cher anfĂŒhlt. An Lektion 1 – nicht (zu frĂŒh) zu viel wollen – arbeite ich nĂ€mlich immer noch.



Übungsbeschreibungen



Side Plank Dips



Muskulatur: quere Bauchmuskeln, Arm- und Schultermuskulatur, Beinmuskulatur

AusfĂŒhrung: Auf einer erhöhten FlĂ€che (z.B. Tisch, Couch) stĂŒtzt du mit der flachen Hand (oder auch auf dem Unterarm), ziehst deinen Bauchnabel nach innen und deinen Beckenboden nach innen oben. Dein Körper bildet dabei von Kopf bis Fuß eine Linie. Nun senkst du die HĂŒfte nach unten ab, dabei atmest du aus. Mit dem Anheben der HĂŒfte atmest du wieder ein.

Wiederholungen: Pro Seite machst du 15-20 Wiederholungen. Nach ein bis zwei Wochen Training kannst du die Übung um 5-10 Wiederholungen steigern.




Beinlift mit Oberkörpertwist

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Muskulatur: quere Bauchmuskeln, HĂŒftbeuger, Beinmuskulatur

AusfĂŒhrung: Du sitzt aufrecht auf einer erhöhten FlĂ€che, ziehst den Bauchnabel nach innen, den Beckenboden nach innen oben und drĂŒckst die HĂ€nde fest gegeneinander. Nun streckst du ein Bein, hebst es mit der Ausatmung nach oben und drehst dich mit dem Oberkörper in die Richtung des gestreckten Beines. Anschließend drehst du dich mit der Einatmung wieder zurĂŒck und senkst das Bein bis kurz vor dem Boden ab.

Wiederholungen: Pro Seite machst du 15-20 Wiederholungen. Nach ein bis zwei Wochen Training kannst du die Übung um 5-10 Wiederholungen steigern.





Squeeze

ree

Muskulatur: quere Bauchmuskulatur, HĂŒftbeuger, GesĂ€ĂŸmuskulatur, Beinmuskulatur

AusfĂŒhrung: Du stehst aufrecht und aktivierst die Bauchmuskulatur und den Beckenboden. Mit der Ausatmung hebst du das Knie seitlich nach oben und ziehst dich ganz klein zum gleichseitigen Ellbogen zusammen. Mit der Einatmung senkst du das Bein wieder ab und hebst es anschließend mit der Ausatmung wieder an.

Wiederholungen: Pro Seite machst du 15-20 Wiederholungen. Nach ein bis zwei Wochen Training kannst du die Übung um 5-10 Wiederholungen steigern.



 
 

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